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fiesta de los estudiantes

In Argentinien ist es sehr gewöhnlich, wenn man kleine Privat-Schule besucht. Diese Schule haben von einer extrem katholischen bis zu einer absolut unreligiösen Ausprägung mit vielen Freiheiten für die Schüler. Auch ich besuche eine kleine private Schule ohne religiöse Ausrichtung, namens „Martin Pescador“. Das Schul-/Ausbildungssystem ist allgemein sehr unterschiedlich, denn alle gehen hier studieren. Man kann also zum Beispiel keine Lehre machen. Viele Jugendliche brechen die Schule ab, was auch nicht wirklich jemanden stört. Natürlich hängt das sehr von der sozialen Schicht ab - wobei Ausbildungsabbrüche in den höheren Schichten eher selten sind, jedoch in den unteren sehr häufig der Fall ist. Das Schuljahr dauert in Argentinien von März bis Dezember. So werde ich also 3 Monate Sommerferien haben. Die Schulstunden dauern 1 Stunde und 20 Minuten, mit jeweils 10 Minuten Pause zwischen den Stunden. Drei Mal pro Woche dauert die Schule von 7.30-11.50 und 2 Mal von 7.30 bis 13.20 - so bleibt mir der ganze restliche Tag für andere Aktivitäten.

Seit meiner Ankunft am 18. August drehte sich in meiner Schule alles nur um ein Thema: das Fest der Schüler. Es dauert eine Woche - die Vorbereitungen starten jedoch schon Monate davor. Zum Beispiel wird von jeder Schule eine Königin, eine Prinzessin und eine zweite Prinzessin von einer Jury gewählt. Man sagt, dass dieser Abend jedes Jahr ein riesiger Event im Leben eines Mädchens ist. Man kann jedoch nur einmal teilnehmen, das ist meistens im letzten oder vorletzten Schuljahr, bevor man ins Studium geht. Falls man die Königin der Schule ist, nimmt man in der Woche des Festes an der Wahl der Königin der Stadt teil. Tags darauf findet die Wahl der Königin der Provinz und schliesslich die nationale Wahl statt. Die Teilnahme bedingt natürlich den Gewinn der Vorwahl. Meine Klassenkameradin ist dieses Jahr die erste Prinzessin von ganz Argentinien geworden und sie ist so innerhalb einer Woche sehr berühmt geworden. Ein riesiges Highlight war bereits die Wahl zur Schönsten der ganzen Stadt (400‘000,  aus ungefähr 60 verschiedenen Schulen/Konkurrentinnen)! Dabei muss man jedoch erwähnen, dass ihre Chancen als Blonde optimal waren. In meiner Provinz hat dieses Fest einen hohen Stellenwert, denn hier ist dieses Ereignis zusätzlich mit einer Parade verbunden. Jede Schule gestaltet selber einen Wagen, um an dieser Parade teilzunehmen. Die jeweils 3 schönsten Frauen der Schule sitzen während der Parade auf dem Wagen und winken den Zuschauern zu. Meine Schule hat vor rund 3 Monaten mit dem Bau des Wagens begonnen. Alle, die an diesem Projekt teilnehmen, sind sogenannte Carroceros. Während dreier Monate täglich, also auch am Wochenende(!) von 9.00-21.00 Uhr, sowie unter der Woche nach der Schule von 15.00 bis 21.00 Uhr, wird alles gegeben, um daran zu arbeiten. Im letzten Monat werden zudem alle Freizeitaktivitäten gestoppt. Auch die Schulstunden besucht man als Carrocero nicht, um alles rechtzeitig fertig zu kriegen. Ausser auf den Ausgang wird nicht verzichtet, haha. Nicht selten bleibt man oft bis 23.00 Uhr oder arbeitet die ganze Nacht durch. Für mich ist das unbeschreiblich wieviel Leidenschaft, Zeit und Liebe in diese Carruaje (Namen des Wagens) investiert werden. Gewinnen kann man eigentlich nichts, ausser einen Pokal. Es ist jedoch ein harter Konkurrenzkampf zwischen den Schulen und sehr wichtig. Um die Wagen zu bauen, gibt es 3 verschiedene Arbeitsgruppen: Elektriker, Konstrukteure und Dekoration. Alle Frauen sind in der Abteilung Dekoration, denn es ist nur erlaubt, den Wagen mit gebastelten Sachen zu verzieren. Es ist nicht erlaubt, zum Beispiel etwas anzumalen. Man muss mit Papier sogenannte (sehr, sehr aufwändige) Blumen falten – verbunden mit einer riesigen Liebe zum Detail. Der ganze Wagen besteht also eigentlich nur aus Metall, verschieden farbigem Bastelpapier, Körnern, Leim und Glüh-Lampen. Ich werde ein paar Bilder einfügen, wo ihr sehen könnt, wie das ganze entstanden ist.

Für mich war dieses Projekt eine gute Möglichkeit meine Klassenkameraden kennenzulernen. Ziemlich jeder der letzten beiden Schul-Stufen hat daran teilgenommen und so konnte ich jeweils den ganzen Tag mit ihnen verbringen. Mittlerweile habe ich schon ziemlich enge Freunde gefunden, da wir gegenseitig so ziemlich alles voneinander wissen. Im Generellen ist man hier sehr neugierig und man scheut sich von keiner Frage! Da ich als anderes, nicht Latina-Mädchen, auffalle, zeigen mir die Jungs das auch mit ihren Pfiffen und Sprüchen. Für mich ist es lustig, da die meisten Jungs kein English sprechen und deshalb oft zuerst auf den Google Übersetzer zurückgreifen müssen, um mir etwas mitzuteilen. Ich muss dann immer lachen, weil die Übersetzungen zum Teil einfach keinen Sinn ergeben. Auch deshalb wird mein Spanisch fast täglich besser. Einerseits fühle ich mich durch diese Aufmerksamkeit natürlich geschmeichelt,  auf der anderen Seite habe ich auch ein wenig Respekt von den nicht sehr erfreuten Blicken ihrer Freundinnen oder allgemein der anderen Mädchen. Aber ich glaube, dass sich beide Seiten langsam daran gewöhnt haben und wir können es mittlerweile alle ganz gut ignorieren .

Nachdem wir den Wagen endlich fertig hatten, bekamen wir während einer Woche schulfrei. Jeden Tag war Ausgang angesagt und wir feierten unseren erfolgreichen Wagenbau. Spurlos ging das nicht an mir vorbei, sodass ich erst mal einen Tag durchschlafen und mich ein wenig erholen musste.

Das Ganze ist schon eine Weile her, jedoch hatte ich einfach nie die Zeit alles aufzuschreiben und alle Bilder zu sortieren.. In den nächsten Tagen werde ich noch einen Text von meiner Reise schreiben, da ich 3 Wochen mit anderen Austauschschülern den Süden Argentiniens bereist habe

Miss you <3

2.11.14 07:06

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