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Mein Name ist Seraina Vollenweider und ich nehme am Jugendaustauschprogramm 2014/2015 von Rotary teil. Ich werde dieses Jahr in Argentinien verbringen und so Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke in einer fremden Kultur, Umgebung und Sprache erfahren, die ich in diesem Blog gerne mit euch teilen möchte.

Alter: 20
 
Schule: Martin Pescador in Argentinien


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fiesta de los estudiantes

In Argentinien ist es sehr gewöhnlich, wenn man kleine Privat-Schule besucht. Diese Schule haben von einer extrem katholischen bis zu einer absolut unreligiösen Ausprägung mit vielen Freiheiten für die Schüler. Auch ich besuche eine kleine private Schule ohne religiöse Ausrichtung, namens „Martin Pescador“. Das Schul-/Ausbildungssystem ist allgemein sehr unterschiedlich, denn alle gehen hier studieren. Man kann also zum Beispiel keine Lehre machen. Viele Jugendliche brechen die Schule ab, was auch nicht wirklich jemanden stört. Natürlich hängt das sehr von der sozialen Schicht ab - wobei Ausbildungsabbrüche in den höheren Schichten eher selten sind, jedoch in den unteren sehr häufig der Fall ist. Das Schuljahr dauert in Argentinien von März bis Dezember. So werde ich also 3 Monate Sommerferien haben. Die Schulstunden dauern 1 Stunde und 20 Minuten, mit jeweils 10 Minuten Pause zwischen den Stunden. Drei Mal pro Woche dauert die Schule von 7.30-11.50 und 2 Mal von 7.30 bis 13.20 - so bleibt mir der ganze restliche Tag für andere Aktivitäten.

Seit meiner Ankunft am 18. August drehte sich in meiner Schule alles nur um ein Thema: das Fest der Schüler. Es dauert eine Woche - die Vorbereitungen starten jedoch schon Monate davor. Zum Beispiel wird von jeder Schule eine Königin, eine Prinzessin und eine zweite Prinzessin von einer Jury gewählt. Man sagt, dass dieser Abend jedes Jahr ein riesiger Event im Leben eines Mädchens ist. Man kann jedoch nur einmal teilnehmen, das ist meistens im letzten oder vorletzten Schuljahr, bevor man ins Studium geht. Falls man die Königin der Schule ist, nimmt man in der Woche des Festes an der Wahl der Königin der Stadt teil. Tags darauf findet die Wahl der Königin der Provinz und schliesslich die nationale Wahl statt. Die Teilnahme bedingt natürlich den Gewinn der Vorwahl. Meine Klassenkameradin ist dieses Jahr die erste Prinzessin von ganz Argentinien geworden und sie ist so innerhalb einer Woche sehr berühmt geworden. Ein riesiges Highlight war bereits die Wahl zur Schönsten der ganzen Stadt (400‘000,  aus ungefähr 60 verschiedenen Schulen/Konkurrentinnen)! Dabei muss man jedoch erwähnen, dass ihre Chancen als Blonde optimal waren. In meiner Provinz hat dieses Fest einen hohen Stellenwert, denn hier ist dieses Ereignis zusätzlich mit einer Parade verbunden. Jede Schule gestaltet selber einen Wagen, um an dieser Parade teilzunehmen. Die jeweils 3 schönsten Frauen der Schule sitzen während der Parade auf dem Wagen und winken den Zuschauern zu. Meine Schule hat vor rund 3 Monaten mit dem Bau des Wagens begonnen. Alle, die an diesem Projekt teilnehmen, sind sogenannte Carroceros. Während dreier Monate täglich, also auch am Wochenende(!) von 9.00-21.00 Uhr, sowie unter der Woche nach der Schule von 15.00 bis 21.00 Uhr, wird alles gegeben, um daran zu arbeiten. Im letzten Monat werden zudem alle Freizeitaktivitäten gestoppt. Auch die Schulstunden besucht man als Carrocero nicht, um alles rechtzeitig fertig zu kriegen. Ausser auf den Ausgang wird nicht verzichtet, haha. Nicht selten bleibt man oft bis 23.00 Uhr oder arbeitet die ganze Nacht durch. Für mich ist das unbeschreiblich wieviel Leidenschaft, Zeit und Liebe in diese Carruaje (Namen des Wagens) investiert werden. Gewinnen kann man eigentlich nichts, ausser einen Pokal. Es ist jedoch ein harter Konkurrenzkampf zwischen den Schulen und sehr wichtig. Um die Wagen zu bauen, gibt es 3 verschiedene Arbeitsgruppen: Elektriker, Konstrukteure und Dekoration. Alle Frauen sind in der Abteilung Dekoration, denn es ist nur erlaubt, den Wagen mit gebastelten Sachen zu verzieren. Es ist nicht erlaubt, zum Beispiel etwas anzumalen. Man muss mit Papier sogenannte (sehr, sehr aufwändige) Blumen falten – verbunden mit einer riesigen Liebe zum Detail. Der ganze Wagen besteht also eigentlich nur aus Metall, verschieden farbigem Bastelpapier, Körnern, Leim und Glüh-Lampen. Ich werde ein paar Bilder einfügen, wo ihr sehen könnt, wie das ganze entstanden ist.

Für mich war dieses Projekt eine gute Möglichkeit meine Klassenkameraden kennenzulernen. Ziemlich jeder der letzten beiden Schul-Stufen hat daran teilgenommen und so konnte ich jeweils den ganzen Tag mit ihnen verbringen. Mittlerweile habe ich schon ziemlich enge Freunde gefunden, da wir gegenseitig so ziemlich alles voneinander wissen. Im Generellen ist man hier sehr neugierig und man scheut sich von keiner Frage! Da ich als anderes, nicht Latina-Mädchen, auffalle, zeigen mir die Jungs das auch mit ihren Pfiffen und Sprüchen. Für mich ist es lustig, da die meisten Jungs kein English sprechen und deshalb oft zuerst auf den Google Übersetzer zurückgreifen müssen, um mir etwas mitzuteilen. Ich muss dann immer lachen, weil die Übersetzungen zum Teil einfach keinen Sinn ergeben. Auch deshalb wird mein Spanisch fast täglich besser. Einerseits fühle ich mich durch diese Aufmerksamkeit natürlich geschmeichelt,  auf der anderen Seite habe ich auch ein wenig Respekt von den nicht sehr erfreuten Blicken ihrer Freundinnen oder allgemein der anderen Mädchen. Aber ich glaube, dass sich beide Seiten langsam daran gewöhnt haben und wir können es mittlerweile alle ganz gut ignorieren .

Nachdem wir den Wagen endlich fertig hatten, bekamen wir während einer Woche schulfrei. Jeden Tag war Ausgang angesagt und wir feierten unseren erfolgreichen Wagenbau. Spurlos ging das nicht an mir vorbei, sodass ich erst mal einen Tag durchschlafen und mich ein wenig erholen musste.

Das Ganze ist schon eine Weile her, jedoch hatte ich einfach nie die Zeit alles aufzuschreiben und alle Bilder zu sortieren.. In den nächsten Tagen werde ich noch einen Text von meiner Reise schreiben, da ich 3 Wochen mit anderen Austauschschülern den Süden Argentiniens bereist habe

Miss you <3

2.11.14 07:06, kommentieren

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Hola!

Hola familia, amigos y conocidos!

Mein Name ist Seraina Vollenweider und ich nehme am Jugendaustauschprogramm 2014/2015 von Rotary teil. Ich werde dieses Jahr in Argentinien verbringen und so Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke in einer fremden Kultur, Umgebung und Sprache erfahren, die ich in diesem Blog gerne mit euch teilen möchte.

Man soll gehen, wenn es am Schönsten ist! - Mit dieser Einstellung sah ich meiner Abreise entgegen und erleichterte mir damit so den Abschied von meinen Freunden und meiner Familie. Doch als ich am Flughafen durch die Schranken ging, wurde mir erst richtig bewusst, dass ich ab diesem Moment komplett auf mich alleine gestellt sein werde und in ein paar Stunden auf ein völlig fremdes und neues Leben am anderen Ende der Welt stossen werde. Glücklicherweise flog ich mit 3 anderen Austauschschülern, die ebenfalls ein Jahr in Argentinien verbringen werden. So verlief der Flug über Barcelona nach Buenos Aires relativ gelassen. Kaum in Buenos Aires gelandet, trennten sich jedoch bereits unsere Wege und ich musste meine Reise selbstständig weiterführen. Das führte dazu, dass ich alleine um 5 Uhr morgens den Flughafen in Buenos Aires wechseln musste. Meine Gastmutter hat freundlicherweise ein Taxi für mich reserviert - aber ich hatte ein wenig Mühe dieses zu finden. Die Zeit wurde knapp, da ich nur noch 2h Zeit hatte, bis mein nächster Flug startete. Da ich wusste, das der Flughafenwechsel im Taxi etwa eine Stunde beansprucht. Als ich dann schlussendlich im Taxi sass wurde ich ziemlich müde und musste mich zusammenreissen, dass ich nicht einschlief, da mir der Taxifahrer doch ein wenig unsymphatisch war.
Als ich schlussendlich nach 23h Reisedauer in Jujuy ankam, wurde ich herzlich von meinem Rotary Club und meiner zukünftigen Gastmutter empfangen. Nach meinem Hola waren dann aber meine Spanishkenntnise auch schon ausgereizt und ich unterhielt mich weiter in einem Mix aus französisch und englisch.

Mit meiner Gastmutter verstand ich mich ab dem ersten Moment super und wir haben nach dieser kurzen Zeit auch schon ein gutes, familiäres Verhältnis. Sie kümmert sich sehr gut um mich und möchte mir so viel wie möglich zeigen und mich in allem unterstützen. Oft begleitet uns auch ihr Freund Raul, der aber nicht mit uns wohnt. Er hat Humor und bringt uns oft mit seiner Art zum Lachen. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, sie als meine Gastfamilie zu haben. Ich lebe mit meiner Gastmutter und ihrem Hund Fenix zusammen in einem kleinen feinen Haus am Stadtrand. Unser Viertel ist sehr ruhig, sodass ich immer sehr gut schlafen kann. Trotz der Stille sind wir nur 10 Minuten vom Zentrum entfernt.

Meine Gastschwester studiert zur Zeit im circa 1000 km entfernten Cordoba, so dass ich sie noch nicht persönlich kennengelernt habe. Allerdings steht auch sie mir mit Rat und Tat zur Seite und erkundigt sich regelmässig, wie es mir geht und was ich so mache. Es ist sehr süss, dass sie mich bereits als ihre Schwester bezeichnet. Meine andere Gastschwester macht ebenfalls ein Austauschjahr und lebt in der Schweiz. Wir helfen uns gegenseitig, die verschiedenen Gewohnheiten unserer Kulturen zu verstehen und ich hoffe, dass ich sie Ende Jahr noch persönlich treffen kann.
Sehr ungewohnt ist es für mich, dass wir hier ein Hausmädchen haben, das mir mein Zimmer aufräumt und allgemein das Haus sauber hält. Ich kenne es nicht, wenn fremde Leute meine Sachen ordnen und ich sie dann an einem anderen Ort wieder finde. Aber ich denke, dass ich mich sehr gut daran gewöhnen werde.

Der Verkehr hier ist so ziemlich das komplette Gegenteil zur Schweiz. Denn grundsätzlich hält niemand die Regeln ein, wenn es überhaupt welche gibt. Es gilt das Recht des Stärkeren und das Unberechenbare gewinnt. Als Fussgänger hat man also praktisch verloren und man kann die Strasse nur überkreuzen, wenn gerade kein Auto kommt. Mittlerweile habe ich es aber im Gespür, wann ich die Strasse überqueren kann.
Ich werde jeden Tag zur Schule gefahren. Ich nutze die öffentlichen Verkehrsmittel nur, wenn meine Gastmutter keine Zeit hat, um mich abzuholen oder sich keine andere Mitfahrgelegenheit ergibt.
Allgemein fühle ich mich hier aber sehr sicher, so dass ich alleine unterwegs sein kann. Gegen Einbruch der Dunkelheit durchquere ich aber nicht gerne alleine verlassene Orte, wie z.B. grosse Parks und versuche solche Situationen zu vermeiden.

Ich bin bereits am dritten Tag in San Salvador de Jujuy zum ersten Mal in die Schule gegangen. Dort bin ich auf eine super symphatische Klasse gestossen, die mich sehr in ihr Leben integriert und mir sehr in allen Belangen hilft. Sie behandeln mich, als würde ich schon seit Ewigkeiten zu ihnen gehören. Allgemein sind die Leute hier, jene in der Schule und die Leute, die ich in Ausgang kennenlerne sehr offen. Ich wurde schon zu sehr vielen Partys, Lunches und Ausflügen eingeladen, so dass ich bereits jetzt ein volles Programm habe. Ich habe schon sehr viele interessante, lustige und liebenswürdige Menschen getroffen und habe super Freunde gefunden, mit denen ich viel unternehme. So fühle ich mich hier sehr wohl und freue mich auf meine bevorstehende Zeit mit ihnen!

Ich mag meine Schule sehr. Die Schüler haben hier sehr viele Freiheiten: zum Beispiel müssen wir die Schuluniform nicht tragen, wenn wir unsere Alltagskleidung bevorzugen (niemand trägt die Schuluniform). Die einzige Regel ist, dass wir keine Shorts und Röcke tragen dürfen.
Das Schulsystem ist so aufgebaut, dass es jedem selber überlassen wird, ob und was man lernen will und ob man pünktlich zur Schule kommt. So ist es mehr einTreffen unter Freunden, wo man Musik hört, zeichnet oder einfach nur redet. So herrscht ein familiäres und enges Verhältnis zwischen den Lehrern und den Schülern. Man kann mit Ihnen über alles reden und Probleme werden schnell aus der Welt geschafft. Es widerspiegelt sehr die Art der Südamerikaner, dass sie alles viel gelassener sehen und es nicht wirklich eine Ordnung gibt. Ausserdem begrüsst man sich hier jeweils mit einem Kuss auf die Wange, egal ob Direktor, Leute die man kennenlernt, oder Angestellte, die einen im Laden beraten.

Es gibt noch vieles zu erzählen, aber mir fehlt momentan die Zeit weiterzuschreiben. Ich melde mich mich wieder sobald ich wieder Zeit finde einen weiteren Eintrag zu schreiben!

I miss you! <3

30.8.14 00:56, kommentieren